Traue Deinem Leiden nicht

Der Titel klingt zunächst vielleicht etwas provozierend. Denn natürlich ist Leiden real. Wenn ich verletzt, wütend, enttäuscht oder verzweifelt bin, dann empfinde ich genau das – und es wäre wenig hilfreich, mir einzureden, dieses Gefühl sei falsch.

Warum also sollte ich meinem Leiden nicht trauen?

Weil das, was ich in einem solchen Moment über mich, über andere Menschen oder über eine Situation denke, nicht unbedingt die ganze gegenwärtige Wirklichkeit widerspiegelt. Und auch der Impuls, der sich in diesem Moment völlig selbstverständlich und richtig anfühlt, muss nicht unbedingt eine gute Antwort auf die heutige Situation sein.

Gerade wenn wir stark belastet sind, greifen wir besonders leicht auf vertraute Reaktionsweisen zurück. Wir ziehen uns zurück, werden laut, machen Vorwürfe, geben auf, versuchen es allen recht zu machen oder kämpfen darum, endlich verstanden zu werden. Im Augenblick selbst kann sich eine solche Reaktion zwingend anfühlen: Ich kann doch gar nicht anders.

Doch häufig hat diese Reaktion eine längere Geschichte.

Unser Gehirn muss nicht jede Situation von Grund auf neu beurteilen. Es nutzt Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben. Das ist ausgesprochen nützlich: Was sich früher bewährt hat, steht uns später schnell wieder zur Verfügung.

Schwierig wird es, wenn eine alte Lösung in einer neuen Situation nicht mehr passt.

Manche dieser Reaktionsweisen haben wir sehr früh gelernt. Vielleicht war Rückzug einmal der beste Schutz. Vielleicht musste man laut werden, um überhaupt gehört zu werden. Vielleicht war es wichtig, sich anzupassen, um Streit zu vermeiden oder Zuwendung nicht zu verlieren.

Was damals eine verständliche und möglicherweise hilfreiche Reaktion war, kann Jahrzehnte später automatisch wieder auftauchen – obwohl wir heute einem anderen Menschen gegenüberstehen und ganz andere Möglichkeiten hätten.

Genau darin liegt der Grund, dem eigenen Leiden manchmal mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen: Nicht das Gefühl muss falsch sein. Aber die Geschichte, die es uns über die gegenwärtige Situation erzählt, und die Reaktion, zu der es uns drängt, können von alten Erfahrungen mitbestimmt sein.

Ein Beispiel

Nehmen wir Herrn K.

Als Kind machte er immer wieder die Erfahrung, dass er mit seinen Einwänden kaum Gehör fand. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlte und ruhig widersprach, änderte sich wenig. Erst wenn er laut wurde und sich energisch wehrte, reagierten seine Eltern auf ihn.

Herr K. lernte also etwas, das aus seiner damaligen Erfahrung durchaus sinnvoll war: Wenn ich gehört werden will, muss ich mich deutlich und notfalls laut zur Wehr setzen.

Zwanzig oder dreißig Jahre später kann dieses alte Wissen immer noch wirksam sein.

Vielleicht kritisiert ihn sein Chef wegen eines Fehlers. Herr K. empfindet die Kritik als ungerecht. Fast augenblicklich steigt Ärger in ihm auf. Er spürt den starken Impuls, sich zu verteidigen, wird lauter und greift schließlich auch seinen Chef an.

Oder seine Partnerin sagt ihm, dass sie sich von ihm in einer bestimmten Situation allein gelassen gefühlt habe. Auch hier hört Herr K. möglicherweise nicht nur das, was seine Partnerin tatsächlich sagt. Sehr schnell entsteht wieder das vertraute Erleben: Ich werde ungerecht behandelt. Ich muss mich wehren.

Das Entscheidende daran ist: Herr K. denkt in diesem Moment vermutlich nicht an seine Kindheit. Er sagt sich nicht: Jetzt wende ich einmal meine alte Strategie an.

Für ihn geht es um das Hier und Jetzt.

Sein Ärger ist real. Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, ist real. Und auch sein Impuls, sich zu verteidigen, fühlt sich vollkommen gegenwärtig und plausibel an.

Gerade deshalb ist es so schwer zu erkennen, dass in diesem gegenwärtigen Erleben möglicherweise auch Vergangenheit steckt.

Die Vergangenheit mischt sich in die Gegenwart ein

Wir erleben eine Situation niemals vollkommen voraussetzungslos. Unser Gehirn nutzt frühere Erfahrungen, um das, was gerade geschieht, möglichst schnell einzuordnen. Meist ist das ausgesprochen hilfreich. Ohne diese Fähigkeit müssten wir die Welt in jedem Augenblick neu verstehen lernen.

Aber dieselbe Fähigkeit kann uns auch Schwierigkeiten bereiten.

Wenn eine gegenwärtige Situation etwas berührt, das wir aus früheren belastenden Erfahrungen kennen, kann sich die alte Erfahrung in unsere heutige Wahrnehmung einmischen. Wir achten dann besonders auf das, was zu unserer Erwartung passt. Wir reagieren schneller auf bestimmte Signale. Und manchmal behandeln wir einen Menschen, der heute vor uns steht, ein Stück weit so, als wäre er jemand aus unserer Vergangenheit.

Bei Herrn K. könnte das bedeuten: Der Chef kritisiert ihn tatsächlich. Die Partnerin ist tatsächlich unzufrieden. Es ist also keineswegs alles nur Einbildung.

Aber was Herr K. daraus macht – Ich werde nicht ernst genommen. Ich werde ungerecht behandelt. Ich muss mich wehren – kann stärker von seiner eigenen Geschichte geprägt sein, als ihm in diesem Augenblick bewusst ist.

Und seine Reaktion hat Folgen.

Der Chef erlebt einen Mitarbeiter, der auf Kritik aggressiv reagiert. Die Partnerin erlebt einen Mann, mit dem sie kaum über ihre Enttäuschung sprechen kann, ohne dass ein Streit entsteht.

Damit kann etwas ausgesprochen Tragisches geschehen: Eine alte Reaktion, die einmal dazu diente, sich zu schützen oder Gehör zu verschaffen, trägt heute dazu bei, genau die Schwierigkeiten hervorzubringen, unter denen man anschließend leidet.

Herr K. fühlt sich nicht verstanden – und reagiert auf eine Weise, die es anderen Menschen schwerer macht, ihn zu verstehen.

Deshalb: Traue deinem Leiden nicht?

Vielleicht wird jetzt deutlicher, was mit dem Titel gemeint ist.

Er bedeutet nicht: Dein Leiden ist falsch.

Und schon gar nicht: Stell dich nicht so an.

Das eigene Leiden verdient Aufmerksamkeit. Es zeigt, dass etwas in uns auf eine Situation reagiert und dass diese Situation für uns Bedeutung hat.

Aber wir können lernen, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:

Was erlebe ich gerade?

und:

Welche Schlussfolgerung ziehe ich daraus?

Ich kann mich verletzt fühlen, ohne dass der andere mich verletzen wollte.

Ich kann mich abgelehnt fühlen, ohne dass ich tatsächlich abgelehnt werde.

Ich kann große Angst haben, ohne dass die gegenwärtige Situation so gefährlich ist, wie sie sich anfühlt.

Und ich kann mich ungerecht behandelt fühlen, ohne schon sicher zu wissen, was mein Gegenüber tatsächlich beabsichtigt hat.

Das Gefühl darf also da sein. Aber bevor ich aus ihm heraus handle, lohnt sich manchmal ein kurzer Moment des Innehaltens:

Was geschieht gerade mit mir?

Worauf reagiere ich eigentlich so stark?

Gehört alles, was ich gerade empfinde, wirklich zu dieser Situation?

Und schließlich:

Was würde ich tun, wenn ich mich für einen Moment etwas sicherer und ruhiger fühlen könnte?

Damit beginnt etwas Entscheidendes: Zwischen dem Erleben und der gewohnten Reaktion entsteht ein kleiner Spielraum.

Und genau dieser Spielraum ermöglicht es, heute anders zu handeln als damals.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten

Wie solche alten Reaktionsmuster entstehen, warum sie sich so hartnäckig halten können und vor allem, wie wir lernen können, anders mit ihnen umzugehen, darum geht es ausführlicher in meinem Buch „Traue Deinem Leiden nicht“.

Zum Weiterlesen:

Traue Deinem Leiden nicht

Wenn wir verletzt, ärgerlich oder bedrückt sind, fühlt sich unsere Sicht auf die Situation oft vollkommen selbstverständlich an. Doch gerade dann können alte Erfahrungen unsere Wahrnehmung und unser Verhalten stärker beeinflussen, als uns bewusst ist.

Dieses Buch zeigt, wie solche vertrauten Reaktionsmuster entstehen, wie Sie sie im Alltag erkennen und wie Sie wieder mehr Abstand und Handlungsspielraum gewinnen können. 40 praktische Übungen helfen dabei, eingefahrene Reaktionen zu unterbrechen und neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Warum eigentlich dieses auffällige Titelbild?

Das rothaarige Mädchen auf dem Cover macht etwas Ungewöhnliches. Es hüpft oder tanzt, bewegt die Arme und schaut dabei ausgesprochen vergnügt.

Das ist nicht zufällig so.

Denn darin ist bereits einer der möglichen Auswege aus dem Gefangensein im eigenen Leiden angedeutet: etwas anders zu machen als gewohnt.

Wenn wir mitten in einem belastenden Zustand einmal aufspringen, die Arme ausschütteln, eine völlig ungewohnte Bewegung machen oder uns ganz bewusst anders verhalten, als es unserem momentanen Zustand entspricht, kann das ein eingefahrenes Muster für einen Moment unterbrechen.

Das Problem ist damit natürlich nicht gelöst. Aber manchmal entsteht genau dadurch ein kleiner Abstand zu dem Zustand, in dem eben noch alles selbstverständlich, zwingend und unveränderbar erschien.

Und dieser kleine Moment kann reichen, um etwas Neues möglich zu machen.

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In meinem Beitrag „Warum halte ich ein gutes Gefühl manchmal nur so kurz aus?“ geht es um eine andere Seite desselben Phänomens: Nicht nur unser Leiden, auch der Umgang mit positiven Erfahrungen kann von alten, unbewussten Mustern beeinflusst werden. Es lohnt sich zu verstehen, was dabei in uns geschieht – denn genau dadurch entsteht die Möglichkeit, nicht immer wieder automatisch den vertrauten Weg zu nehmen.

Warum bekomme ich ausgerechnet das nicht, wonach ich mich am meisten sehne?

Oder: Der Wunsch hinter dem Wunsch

Wunsch-Träume

Wünsche sind etwas Großartiges. Sie begeistern, treiben an, locken und motivieren. Für manche sind wir bereit, viel einzusetzen, an anderen bleiben wir lange und manchmal verbissen dran.

Aber warum habe ich eigentlich diesen oder jenen Wunsch? Was treibt mich an, genau diese Reise machen, jenes Auto haben oder endlich einmal Zeit für ein Buch haben zu wollen?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Motive hinter einem Ihrer Wünsche stecken?

Meist tun wir das erst, wenn ein Wunsch unerreichbar erscheint und wir uns vielleicht damit abfinden müssen, ihn aufzugeben. Dann kommt die Frage: Warum wünsche ich mir das überhaupt?

Es gehört nicht zu unserem Alltag, sich mit den Motiven hinter den eigenen Wünschen zu beschäftigen. Aber es ist ein interessanter Bereich, in dem sich viel über die eigene Person erfahren lässt.

Der Wunsch hinter dem Wunsch

In der Psychotherapie beschäftigen wir uns viel mit den Wünschen unserer Klienten. Denn sie erzählen häufig etwas sehr Grundsätzliches über einen Menschen. Hinter einem Wunsch steckt ein persönliches Anliegen, ein Bedürfnis, ein Wollen oder manchmal auch eine Not, die endlich befriedigt werden möchte.

Bei einer Urlaubsreise ist es vielleicht zunächst die Vorstellung, sich dort wohlzufühlen, endlich auszuruhen, bei sich selbst anzukommen und einmal nicht dauernd abgelenkt zu sein. Bei einer Fortbildung kann der Wunsch dahinterstehen, etwas Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln – verbunden mit der Hoffnung, dass sich dadurch vielleicht eine neue Tür öffnet.

Wenn man weiterfragt, stößt man auf den Wunsch hinter dem Wunsch.

Ich finde es immer wieder spannend, im Gespräch mit meinem Gegenüber solche grundlegenden Wünsche herauszuarbeiten. Dabei habe ich schon vor langer Zeit den Eindruck gewonnen, dass sich bestimmte Grundthemen erstaunlich hartnäckig durch ein Leben ziehen.

Und nicht selten richtet sich eine besonders starke Sehnsucht gerade auf etwas, das früh gefehlt hat.

Ein Kind, das wenig aufmerksame Begleitung erfahren hat, kann sich auch später besonders stark danach sehnen, dass jemand wirklich für es da ist. Wer mit dem Gefühl groß geworden ist, dass ihm kaum richtig zugehört wird, kann ein Leben lang empfindlich dafür bleiben, ob andere ihm zuhören und ihn ernst nehmen.

Was werfen Sie Ihrem Partner immer wieder vor?

Wollen Sie herausfinden, was Ihnen selbst besonders wichtig ist?

Eine Möglichkeit ist erstaunlich einfach: Erinnern Sie sich an einen Streit mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Was werfen Sie Ihrem Gegenüber in solchen Situationen vor?

Vielleicht:

„Hör mir doch endlich einmal zu.“

„Ich habe immer das Gefühl, alles allein machen zu müssen.“

„Nie bist du für mich da.“

„Immer gibst du mir die Schuld.“

„Dir geht es doch immer nur um dich.“

Andere Menschen sagen solche Sätze nicht laut. Sie denken sie nur und schlucken sie herunter.

Wenn bestimmte Vorwürfe immer wieder auftauchen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Möglicherweise zeigt sich darin ein sehr persönliches Thema, das Sie schon lange begleitet.

Wer beispielsweise immer wieder verzweifelt darüber klagt, alles allein machen zu müssen und von niemandem unterstützt zu werden, kennt dieses Gefühl möglicherweise schon sehr lange.

Aber hier ist eine Unterscheidung wichtig.

Dass es sich um ein eigenes altes Thema handelt, bedeutet nicht, dass der Partner unschuldig sein muss. Es kann durchaus sein, dass Sie mit jemandem zusammenleben, der tatsächlich zu wenig Verantwortung übernimmt, Ihnen zu vieles überlässt und Sie nicht ausreichend unterstützt.

Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Und leider begegnet einem gerade diese Kombination gar nicht so selten: Ein Leben lang leide ich darunter, dass ich alles allein machen muss – und finde mich immer wieder in Beziehungen und Situationen, in denen ich tatsächlich zu viel allein mache.

Warum wiederholt sich das?

Wir Menschen sind Gewohnheitsstiere. Und leider sind wir auch ziemlich gut darin, unangenehme Gewohnheiten aufrechtzuerhalten.

Wer früh gelernt hat, dass viele Aufgaben allein bewältigt werden müssen und Hilfe nicht zuverlässig kommt, gewöhnt sich daran. Jahrzehnte später kann er im beruflichen oder familiären Alltag noch immer ganz selbstverständlich Dinge allein erledigen – selbst wenn inzwischen Menschen da wären, die ihm etwas abnehmen könnten.

Vielleicht wird angebotene Hilfe gar nicht richtig wahrgenommen. Vielleicht erscheint eine Aufgabe als nicht teilbar. Oder im Hinterkopf tauchen Sätze auf wie:

„Wenn ich es allein mache, kann ich mich wenigstens darauf verlassen.“

Oder:

„Nur wenn ich es selbst mache, wird es so, wie ich es haben will.“

Dahinter steckt auch Misstrauen. Und das ist zunächst einmal verständlich. Wer früh zu oft erfahren hat, dass andere nicht zuverlässig helfen, hat schließlich etwas über andere Menschen gelernt: Verlass dich lieber auf dich selbst. Aber was einmal eine sinnvolle Lösung war, kann später zum Problem werden. Und damit entsteht ein merkwürdiges Paradox:

Ausgerechnet der Mensch, der sich so sehr danach sehnt, endlich nicht mehr alles allein tragen zu müssen, kann sich auf eine Weise verhalten, die es anderen immer schwerer macht, ihm tatsächlich etwas abzunehmen.

Er kämpft für seinen Wunsch – und hält ihn gleichzeitig außerhalb seiner Reichweite.

Und dann bleibt auch das Buch ungelesen

Damit sind wir wieder bei den scheinbar vordergründigen Wünschen.

Wer früh gelernt hat, fleißig zu sein, gestellte Aufgaben zu erfüllen und vieles allein zu bewältigen, ist häufig weniger darin geübt, sich um die eigenen Belange zu kümmern.

Diese Menschen können oft erstaunlich gut Wünsche zurückstellen, auf Bedürfnisse verzichten, Kompromisse machen – und es aushalten, immer wieder mit leeren Händen dazustehen.

Dann fehlt tatsächlich die Zeit für die Reise, die Ruhepause oder das Buch, das man seit Monaten lesen möchte. Nicht unbedingt, weil diese Wünsche unerfüllbar wären. Sondern weil die eigene Art, das Leben zu organisieren, kaum Raum für ihre Erfüllung lässt.

Und wenn man dann vor allem auf diejenigen wütend wird, die sich offenbar viel selbstverständlicher nehmen, was sie brauchen, entsteht eine weitere Falle: Man beschäftigt sich mit den anderen und ihren schlechten Gewohnheiten. Aber an deren Verhalten können wir nur begrenzt etwas ändern.

Was geschieht, wenn das Gewünschte plötzlich möglich wird?

Vielleicht lohnt sich deshalb eine andere Beobachtung:

Wenn Sie sich danach sehnen, nicht mehr alles allein machen zu müssen: Was geschieht, wenn Ihnen tatsächlich jemand eine Aufgabe abnehmen möchte?

Wenn Sie sich wünschen, dass Ihnen jemand zuhört: Was geschieht in Ihnen, wenn Ihnen tatsächlich jemand aufmerksam zuhört?

Wenn Sie sich mehr Zuwendung wünschen: Was machen Sie, wenn diese Zuwendung einmal ungefragt kommt?

Nehmen Sie die Hilfe an? Können Sie die Aufgabe wirklich abgeben? Können Sie es aushalten, dass jemand anderes sie vielleicht anders erledigt als Sie selbst?

Und können Sie wahrnehmen, dass in diesem Augenblick gerade etwas geschieht, wonach Sie sich vielleicht schon sehr lange sehnen?

Der Schlüssel liegt in einer anderen Erfahrung

Entscheidend ist deshalb nicht nur, weniger Verantwortung zu übernehmen oder häufiger Aufgaben abzugeben. Interessanter ist die Frage, welche Erfahrung dem alten Muster eigentlich fehlt.

Für einen Menschen, der sich seit früher Zeit damit erlebt hat, allein zu viel tragen zu müssen, können das Erfahrungen sein, in denen jemand beisteht, Verantwortung mit übernimmt oder ihn entlastet. Augenblicke, in denen er erleben kann:

Ich muss das nicht allein schaffen. Da ist jemand, der mitträgt.

Für einen anderen Menschen kann der entscheidende Punkt etwas anderes sein: wirklich gehört, ernst genommen, gesehen oder willkommen zu sein.

Der Schlüssel ist deshalb nicht für jeden derselbe. Entscheidend ist, welche alte Erfahrung sich im eigenen Leben immer wieder fortsetzt – und welche neue Erfahrung ihr etwas entgegensetzen könnte.

Solche Erfahrungen verändern aber nicht schon deshalb etwas, weil sie stattfinden. Wir müssen sie auch wahrnehmen, an uns heranlassen und aufnehmen können. Und leider passiert das nicht von allein und es genügt auch nicht, diesen Zusammenhang jetzt verstanden zu haben. Es muss umgesetzt und eine ganze Weile geübt werden.

Warum es manchmal so schwer ist, eine gute Erfahrung wirklich aufzunehmen, darum ging es auch in meinem vorherigen Beitrag „Warum halte ich ein gutes Gefühl manchmal nur so kurz aus?

Sonst kann jemand uns zehnmal helfen – und in unserem inneren Erleben bleibt trotzdem der alte Satz bestehen:

Am Ende muss ich doch alles allein machen.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, bei einem unerfüllten Wunsch nicht nur zu fragen:

Warum bekomme ich nicht, wonach ich mich so sehr sehne?

Sondern auch:

Was tue ich eigentlich, wenn genau das, wonach ich mich sehne, plötzlich möglich wird?


Zum Weiterlesen:

Ein Paar sein und bleiben! Teil 2, Erwartungs-Irrtümer auflösen – Neue Wege der Selbststeuerung

Sätze wie „Du hörst mir nie zu“, „Ich muss immer alles allein machen“ oder „Du bist nie für mich da“ erzählen nicht nur etwas über unseren Partner. Sie können auch Hinweise auf Erwartungen und alte Erfahrungen sein, die wir selbst in eine Beziehung mitbringen.

In Ein Paar sein und bleiben! Teil 2 geht es darum, solche Erwartungen nicht nur beim Gegenüber zu suchen, sondern auf die eigene Person zurückzubeziehen – und damit Möglichkeiten zu entdecken, die eigene Seite des Beziehungsgeschehens zu verändern.

Warum halte ich ein gutes Gefühl manchmal nur so kurz aus?

Das ist eine Frage, die sich die meisten Menschen vermutlich überhaupt nicht stellen. Nur wenigen fällt auf, dass sie guten Gefühlen möglicherweise viel weniger Raum geben, als sie selbst glauben.

Die meisten von uns sind überzeugt: Wenn etwas Schönes geschieht, dann genießen wir es auch. Wenn wir uns wohlfühlen könnten, dann tun wir das. Und wenn es uns nicht gut geht, dann liegt es eben daran, dass die Bedingungen dafür gerade nicht stimmen.

Ich bin mir da inzwischen nicht mehr so sicher.

Schon vor vielen Jahren habe ich mit Patienten in meiner Praxis kleine Experimente gemacht. Ich bat sie, sich an eine schöne Situation zu erinnern, sich dieser Erinnerung nicht nur gedanklich, sondern auch gefühlsmäßig zu nähern – und das dabei entstehende gute Gefühl eine Weile zu genießen.

Dabei wiederholten sich einige Beobachtungen auffallend häufig.

Manche mussten sich zunächst regelrecht überwinden, überhaupt bei einer guten Erinnerung zu bleiben. Viel leichter fiel es ihnen, mir davon zu erzählen, was nicht gut gelaufen war oder wie sehr sie sich nach etwas Schönem sehnten.

Auch das Erinnern selbst war häufig schwieriger als erwartet. Belastende Erfahrungen waren sofort greifbar. Für eine konkrete gute Erfahrung musste dagegen manchmal erstaunlich lange gesucht werden.

Am interessantesten fand ich jedoch etwas anderes:

Wenn schließlich ein gutes Gefühl auftauchte, war es manchmal nach kürzester Zeit schon wieder verschwunden.

Und häufig bemerkte die betreffende Person das nicht einmal.

Plötzlich war da ein Gedanke. Eine andere Erinnerung. Etwas musste noch erledigt werden. Man wurde unruhig. Man begann zu reden. Irgendetwas hatte die Aufmerksamkeit bereits wieder von dem guten Erleben weggeführt – und dieser Wechsel erschien vollkommen selbstverständlich.

Genau das begann mich zu interessieren.

Vielleicht können wir uns gar nicht so selbstverständlich gut fühlen, wie wir glauben

Wir gehen gewöhnlich davon aus, dass wir es uns gut gehen lassen könnten, wenn nur die Bedingungen dafür gut genug wären.

Meine therapeutische Erfahrung hat mich daran zweifeln lassen.

Vielleicht ist die Fähigkeit, eine positive Erfahrung wirklich aufzunehmen, für manche Menschen keineswegs selbstverständlich. Vielleicht muss sie teilweise erst gelernt und geübt werden – fast wie eine Fremdsprache.

Ich habe das mit Patienten manchmal anhand einer einfachen Skala untersucht.

Null bedeutet: Von dem guten Gefühl ist nichts spürbar.

Zehn bedeutet: Ich lasse dieses gute Gefühl im Augenblick so weit an mich heran, wie es mir überhaupt möglich ist.

Dabei hatte ich immer wieder den Eindruck, dass Menschen selbst in ausgesprochen guten Situationen vielleicht bei einer Zwei ankamen – gleichzeitig aber überzeugt waren, das Schöne bereits vollständig erlebt und ausgekostet zu haben.

Diese Skala ist natürlich kein objektives Messinstrument. Sie sollte etwas sichtbar machen, das wir im Alltag kaum beachten.

Denn der Unterschied zwischen Zwei und Sechs besteht nach meiner Erfahrung nicht einfach darin, dass Sechs „dreimal so schön“ ist.

Es kann ein qualitativer Unterschied sein.

Bei einer Zwei weiß ich vielleicht: Dieser Mensch hört mir zu. Er interessiert sich für mich. Das ist angenehm.

Aber es erreicht mich noch nicht wirklich.

Bei einer Fünf oder Sechs kann aus diesem Wissen eine Erfahrung werden: Da ist tatsächlich jemand, der mich sieht. Und ich lasse mich davon berühren.

Das ist nicht nur ein Gedanke. Der Körper reagiert mit. Etwas wird ruhiger, weiter oder weicher. Für einen Moment wird eine andere Wirklichkeit nicht nur verstanden, sondern erlebt.

Und genau darin liegt für mich der entscheidende Punkt.

Verstehen allein verändert noch nicht genug

Wir können sehr viel über uns verstehen.

Wir können erkennen, warum wir uns nach Nähe sehnen. Wir können unsere Kindheit analysieren, Zusammenhänge entdecken und verstehen, warum wir in bestimmten Situationen immer wieder auf dieselbe Weise reagieren.

Das alles kann notwendig sein. Es kann uns überhaupt erst ermöglichen, eine neue Erfahrung zu erkennen und uns ihr bewusst zuzuwenden.

Aber ich glaube nicht, dass psychische Veränderung allein durch dieses Verstehen geschieht.

Eine andere Erfahrung muss uns erreichen.

Wir müssen uns von ihr berühren lassen können.

Wenn ein Mensch in seiner Kindheit immer wieder erfahren hat: Ich bin nicht wichtig. Niemand interessiert sich wirklich für mich, dann reicht es nicht unbedingt, wenn er als Erwachsener versteht, dass diese Überzeugung aus seiner Kindheit stammt.

Er braucht auch Erfahrungen, die ihr widersprechen.

Und noch wichtiger: Er muss diese widersprechende Erfahrung aufnehmen können.

Genau hier beginnt das Problem.

Ausgerechnet das, wonach wir uns am meisten sehnen

Nehmen wir jemanden, der sich sein Leben lang danach gesehnt hat, dass ihm ein anderer Mensch wirklich interessiert und mit offenem Herzen zuhört.

Nun geschieht genau das.

Eigentlich müsste dieser Moment besonders wohltuend sein.

Und doch kann gerade jetzt etwas Merkwürdiges passieren: Die Person wird unruhig. Ein ablenkender Gedanke taucht auf. Sie wechselt das Thema. Plötzlich gibt es etwas Dringendes zu erledigen. Vielleicht treten sogar körperliche Beschwerden auf.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Kopfweh und jede Unruhe eine psychische Abwehr eines guten Gefühls ist.

Interessant wird es dort, wo sich bei derselben Person immer wieder dieselbe Abfolge gerade dann zeigt, wenn eine bestimmte positive Erfahrung intensiver zu werden beginnt.

In meiner Arbeit entstand daraus die Vorstellung eines unbewussten Schutzsystems.

Es schützt nicht nur vor schlechten Erfahrungen. Es kann auch gegenüber guten Erfahrungen aktiv werden – nämlich dann, wenn diese einer tief eingeprägten alten Erfahrung widersprechen oder uns auf eine Weise öffnen und berühren würden, die früher nicht sicher war.

Dann wäre das scheinbar Unsinnige plötzlich verständlicher.

Die Psyche versucht nicht, uns das Leben zu verderben. Sie schützt eine alte innere Ordnung.

Man kann die Unterbrechung kennenlernen

Das Erfreuliche ist: Solche Abläufe sind nicht unbedingt beliebig.

Bei einzelnen Patienten zeigte sich eine erstaunlich wiederkehrende persönliche Reihenfolge.

Vielleicht kommt zuerst ein ablenkender Gedanke. Danach entsteht Unruhe. Dann der Impuls aufzustehen oder den Ort zu verlassen. Bei einem anderen Menschen sieht die Kette ganz anders aus.

Deshalb lohnt sich eine ungewöhnliche Frage:

Was geschieht eigentlich in mir unmittelbar nachdem etwas wirklich Gutes spürbar geworden ist?

Bleibe ich dabei? Kann ich mich davon berühren lassen? Oder geschieht nach wenigen Sekunden etwas, das mich wieder davon wegführt?

Wenn ich meine persönliche Art der Unterbrechung kennenlerne, entsteht eine neue Möglichkeit. Ich muss ihr nicht mehr vollkommen automatisch folgen.

Vielleicht kann ich bei der guten Erfahrung bleiben.

Nicht um sie künstlich größer zu machen. Nicht um mir einzureden, dass alles schön sei.

Sondern um zuzulassen, dass eine tatsächlich vorhandene gute Erfahrung ihre Wirkung entfalten kann.

Gute Erfahrungen sind nicht nur eine angenehme Zugabe

Hier möchte ich meine Position bewusst deutlich formulieren.

Ich bin überzeugt, dass es keine tiefgreifende psychische Veränderung gibt, ohne dass ein Mensch neue positive Erfahrungen wirklich aufnehmen kann.

Verstehen, Einordnen und Umdenken können dafür wichtige Voraussetzungen sein. Sie können helfen, alte Muster zu erkennen und sich einer neuen Erfahrung überhaupt zuzuwenden.

Aber sie ersetzen die Erfahrung nicht.

Eine Zwei auf meiner Skala bewirkt nicht dasselbe wie eine Fünf, Sechs oder vielleicht sogar Zehn.

Denn irgendwann geschieht etwas, das sich mit „mehr Wohlgefühl“ nur unzureichend beschreiben lässt.

Man wird berührt.

Man versteht eine andere Möglichkeit nicht mehr nur mit dem Kopf. Man erlebt sie emotional und körperlich.

Ich kann sicher sein.

Ich darf wichtig sein.

Jemand kann mir nahe sein, ohne dass ich mich schützen muss.

Ich kann mich entspannen, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Für einen Moment wird eine andere Realität erfahrbar.

Meine vielleicht provokante These lautet deshalb weiterhin: Die Fähigkeit, gute Erfahrungen wirklich an uns heranzulassen, gehört nicht an den Rand psychischer Veränderung. Sie steht in ihrem Zentrum.

Vielleicht brauchen wir deshalb neben der vertrauten Frage

„Warum geht es mir schlecht?“

noch eine zweite:

„Was geschieht eigentlich in mir, wenn es mir gerade wirklich gutgehen könnte?“

Mit der Frage, warum gerade ersehnte positive Erfahrungen so schwer aufzunehmen sein können und was unsere frühen Lebenserfahrungen damit zu tun haben, beschäftige ich mich ausführlicher in meinem Buch „Die Lasten der Kindheit hinter sich lassen“.

Die Lasten der Kindheit hinter sich lassen
Warum können Erfahrungen aus der Kindheit unser heutiges Erleben noch bestimmen – und warum fällt es manchmal gerade so schwer, neue gute Erfahrungen wirklich aufzunehmen?

Das Buch ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich. Die Printausgabe kann direkt bei BoD portofrei bestellt werden.

 

Weiterlesen:
Warum bekomme ich ausgerechnet das nicht, wonach ich mich am meisten sehne?

In diesem Beitrag geht es um eine andere Seite derselben Frage: warum alte Erfahrungen auch beeinflussen können, ob wir überhaupt bekommen, wonach wir uns sehnen.

Beziehungsglück mit Hilfe von KI

Erst beim Schreiben meines Buches: „Beziehung: Vorbei?“ (vorher: „KI im Ohr“), das nur wenige Jahre in der Zukunft spielt, ist mir klar geworden, wie groß das Potenzial von KI im Bereich der Psychotherapie ist. KI wird bei psychischen Problemen eine große Hilfe sein und wahrscheinlich schon bald als Assistent eingesetzt werden. Im aktuellen Buch habe ich sie eingesetzt, um eine fast gescheiterte Beziehung zu kitten.

Was ist das Faszinierende an KI für die Psyche? Viele Patienten verstehen zwar schnell, wie die Psyche funktioniert, aber die praktische Umsetzung des Wissens ist schwierig, weil die dafür notwendige Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbststeuerung erst erlernt und geübt werden muss. Eine KI könnte dabei vom ersten Tag an helfen. Schon heute können viele intelligente Uhren (Smartwatches) die Stimmung ihres Trägers erkennen und bei einer Verschlechterung warnen. In einigen Jahren wird die KI noch viel mehr können. Es wird ein Leichtes sein, falsche Denkweisen anhand ihrer Stressmuster zu erkennen und mit Hinweisen oder Warntönen einzugreifen. Natürlich kann man damit auch manipuliert werden, aber ich sehe das positiv oder benutze folgendes Bild: Wenn uns die eigene Psyche in die falsche Richtung drängt, manipuliert sie uns auch und schreckt dabei nicht vor Falschaussagen und Wahrheitsverdrehungen zurück. Da lasse ich mich lieber von einer Instanz führen, der ich genau sagen kann, wohin ich will und wohin nicht. Wenn eine KI diese Rolle übernehmen kann, will ich sie haben.

Weil Jona (Hauptrolle im Buch „Beziehung: Vorbei?“) seiner KI gesagt hat, dass er seine Beziehung retten will, tut sie alles, was dafür nötig ist. Berät ihn, schult ihn, trainiert ihn, bis… aber lesen Sie selbst, wie das in ein paar Jahren aussehen wird.

Hier geht’s zum Buch:

KI und Psychotherapie

Ja, es hat mir Spaß gemacht, ein bisschen in die Zukunft zu schauen und dieses Buch zu schreiben, in dem ein junger Mann versucht, seine fast zerbrochene Beziehung mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz zu retten.

Dabei habe ich mich oft gefragt: Wird das eines Tages Realität oder bleibt es Fiktion? Wird künstliche Intelligenz in der Psychotherapie hilfreich sein oder sie vielleicht sogar ganz ersetzen? Je weiter das Buch voranschritt, desto sicherer wurde ich, dass KI in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Lösung persönlicher Probleme spielen wird. Der Beruf des Psychotherapeuten wird wahrscheinlich nicht so schnell verschwinden, aber KI und Mensch werden zusammenarbeiten.

Heute sind wir noch nicht so weit wie im Buch, aber in manchen Bereichen könnte KI schon hilfreich sein. Ich denke an die Lern- und Übungsarbeit, an der niemand vorbeikommt, der in seinem Leben etwas verändern will. Er oder sie muss lernen, achtsam zu sein, das eigene Verhalten zu beobachten, das eigene Denken zu beobachten und vieles mehr. Achtsamkeit ist eine perfekte Spielwiese für KI.
Eine einfache Software kann heute schon an Aufgaben erinnern und jede bessere Smartwatch kann Stresszustände ihres Trägers erkennen und darauf aufmerksam machen.

Letzteres ist ein wichtiger Punkt, denn ein anderer Umgang mit dem eigenen Stress ist besonders wichtig für jede persönliche Entwicklung. Das merkt auch Jona – die Hauptfigur in meinem Buch.

Menschen funktionieren unter Stress anders als in entspannten Zeiten. Unter Stress übernimmt die unbewusste Psyche die innere Führung. Sie ruft Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen ab, die der eigenen Person selten dienlich sind. Die meisten Probleme, mit denen Patienten in die Praxis kommen, sind darauf zurückzuführen. Die Ursachen von Stress können vielfältig sein und werden oft gar nicht als solche wahrgenommen. Deshalb ist es auch nicht so einfach, dieses Stressgeschehen zu erkennen und steuernd einzugreifen.

Für eine KI wäre das ein Kinderspiel. Sie kann die Körperwerte erfassen und gleichzeitig zuhören, was in der Umgebung passiert. So kann sie in kürzester Zeit genügend Informationen darüber sammeln, welche Bedingungen ihr Nutzer als psychisch belastend empfindet, und diese nutzen, um Stoppsignale zu setzen oder Vorschläge für andere Vorgehensweisen zu machen.

Wollen Sie schon mal lesen, wie das in ein paar Jahren aussehen wird…?

Zum Buch geht es hier:

https://www.reinhardt-kraetzig.de/books.html#vorbei

KI und Psyche, geht das?

Oft habe ich von meinen Patienten gehört: „Ach, wären Sie doch dabei gewesen. Dann hätten Sie mich sofort darauf aufmerksam gemacht und alles wäre anders gelaufen“. Das heutige Konzept einer normalen Psychotherapie sieht eine solche ständige Begleitung nicht vor. Aber wenn sich die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz weiter so rasant entwickeln wie bisher, wird es nicht mehr lange dauern, bis man seinen digitalen Aufpasser immer bei sich haben kann. Für viele Menschen wäre das eine tolle Möglichkeit.

Ich habe mich in einem Buchprojekt damit beschäftigt, wie eine solche Begleitung durch eine KI konkret aussehen könnte. Das Ergebnis habe ich in eine Erzählung gepackt, in der ich einen jungen Mann, der sich mit Psychologie nicht so gut auskennt, dabei begleite, wie er versucht, seine fast zerbrochene Beziehung zu retten.

Diese Geschichte spielt in der Zukunft, da KI heute noch nicht in der erforderlichen Weise verfügbar ist.

Mein Zukunftsroman „Beziehung: Vorbei?“ vorher erschienen als „KI im Ohr“ ist zwar frei erfunden, schöpft aber in Bezug auf das von der KI vermittelte Wissen und die von ihr ausgewählten Aufgaben und Übungen aus meiner in langjähriger Praxis erworbenen Fachkompetenz. So beschränkt sich die Interaktion der KI mit Jona, der Hauptfigur des Buches, nicht auf oberflächliche Tipps und Ratschläge, wie sie in manchen oberflächlichen Ratgebern zu finden sind. Vielmehr geht die KI auf die Probleme von Jona grundsätzlich ein und bietet einen Zugang, der nicht nur bei Beziehungsthemen hilfreich ist.

So schaut der Leser in diesem Buch einem Psychotherapeuten bei der Arbeit zu und kann nebenbei viel für sich und seine eigenen Fragen mitnehmen.

Das Buch ist mit einer Prise Humor geschrieben und jederzeit leicht verständlich. Denn wenn die KI aufhören würde, sich verständlich zu machen, würde Jona den Vertrag kündigen und sie zurückgeben.

„KI im Ohr“ erscheint am 20.4.24. Auf meiner Webseite können Sie schon mal einen Blick darauf werfen und in anderen Beiträgen dieses Blogs finden Sie noch mehr Informationen.

https://www.reinhardt-kraetzig.de/books.html#vorbei

Herz und Verstand – Beziehungsklärung und KI, geht das?

Nach meinen ersten Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz, beschäftigte mich die Frage, wie eine KI eine Psychotherapie unterstützen könnte. Am besten in einer mobilen Version als ständiger Begleiter, der mehr mitbekommt, als nur das, was gesagt wird

Ich hatte überlegt, ob ich ein Sachbuch zu dem Thema verfasse und darin detailliert beschreibe, was eine solche KI leisten müsste, um einen Patienten gut zu begleiten. Aber um es für ein breiteres Publikum interessanter zu machen, habe ich eine andere Form gewählt.

In einem Roman kann man durch Situationsbeschreibungen und das Erleben der beteiligten Personen die ablaufenden Prozesse viel plastischer beschreiben. Statt nur Aufgaben und Probleme aufzuzählen, kann der Leser am konkreten Beispiel leichter erfassen, worauf es wirklich ankommt. Das neue Buch heißt „Beziehung: Vorbei?“ die Vorversion: „KI im Ohr“.

Das Foto wurde von der KI- DALL·E 3 zum Thema Herz und Verstand entworfen

Ein neues Buch – ein neues Genre

Bisher habe ich auf diesen Seiten meine Sachbücher aus dem Bereich der Psychotherapie vorgestellt und damit verbundene Themen diskutiert. Nun stelle ich hier mein erstes Buch aus einem anderen Genre vor. KI im Ohr ist eine Erzählung, ein Roman, der sich mit der Frage beschäftigt, wie in naher Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI in ganz privaten Bereichen abläuft und was durch diese Zusammenarbeit erreicht werden kann.

Überarbeitete Version mit neuem Titel erscheint ab Okt 25

Kann die Begegnung von Mensch und Maschine zu einer Verbesserung des Menschen oder wenigstens zu einer höheren Lebensqualität führen?

 „Beziehung: Vorbei?“

Kann Jona seine fast gescheiterte Beziehung mit künstlicher Intelligenz noch retten?

Tauchen Sie ein in die anregende Welt von  „Beziehung: Vorbei?“ (hieß vorher „KI im Ohr“) und begleiten Sie Jona auf seiner emotionalen Reise, als er in einer heftigen Beziehungskrise zu einem außergewöhnlichen Helfer greift: einer Künstlichen Intelligenz. Aber ist das die richtige Entscheidung? Soll er sein Beziehungsglück wirklich der Technik anvertrauen? Können ihm Computerchips und Programmzeilen mehr helfen als Gefühle und eigene Erfahrung?

 „Beziehung: Vorbei?“ taucht tief in die Komplexität menschlicher Emotionen ein und zeigt, wie Jona mit technologischer Unterstützung nicht nur durch Konflikte navigiert, sondern auch zu einem tieferem Verständnis seiner selbst und seiner Partnerin gelangt. Diese inspirierende Geschichte spielt in einer Welt, in der Liebe, Technologie und Selbstentdeckung aufeinandertreffen, und zeigt uns, dass emotionale Verbundenheit und Verständnis oft nur einen Schritt entfernt sind.

2. Versuch startet ab Okt. 25 – 1. Version erschien am 20.4.24

Erleben Sie eine herzerwärmende Geschichte über die Überwindung von Beziehungshürden mit einer digitalen Beraterin an der Seite und das beeindruckende Aufeinandertreffen von menschlicher Verletzlichkeit und künstlicher Orientierungshilfe.

 „Beziehung: Vorbei?“ ist auch ein Blick in eine mögliche Zukunft der Beziehungsberatung, der zeigt, dass die Suche nach Liebe und Bindung im Technologiezeitalter neue Wege gehen wird. Manchmal sind die Antworten, die wir suchen, näher als wir denken – nur ein Flüstern entfernt.

 „Beziehung: Vorbei?“ ist das erste Buch des erfahrenen Sachbuchautors in einem anderen Genre. Ganz untreu wird er sich aber nicht, denn Jonas KI kennt sich in den Tiefen der menschlichen Psyche wirklich aus und zeigt nicht nur Jona, sondern auch den Lesern, was man wissen und lernen muss, um seine Partnerin zurückzugewinnen. So ist die Unterstützung durch eine KI in einer Beziehungskrise zwar noch Zukunftsmusik, aber was sie Jona beibringt und welche Wege und Aufgaben sie aufzeigt, ist keine Fiktion. Dieses Wissen und die vermittelten Strategien stammen aus dem Erfahrungsschatz der psychotherapeutischen Praxis des Autors.

Die verwendeten Bilder wurden mit der KI- DALL·E entworfen

Nicht jedes Leiden lässt sich schnell vertreiben.

Manches will gewürdigt werden

Im Beitrag Schlechte Laune schnell vertreiben, vom 25.2.22 (in diesem Blog zu finden) hatte ich drei Hinweise gegeben, wie man auf kurzem Weg aus einem belastenden Gefühl aussteigen kann. Auf Facebook hatte ein Leser folgenden Kommentar dazu gegeben:

„hat nix genutzt und wenn ich anfange zu singen oder zu pfeifen, dann bin ich kurz vor der explosion!“

Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass nicht jedes schlechte Gefühl einfach abzuschalten geht. Ich habe dem Schreiber Folgendes geantwortet:

Danke für den Kommentar. Hier ein paar Überlegungen dazu:
Wer intensive Wut oder andere Gefühle erlebt, weil er von etwas sehr betroffen ist, wird diese Gefühle nicht so ohne Weiteres abschalten können. Das geht zwar auch, setzt aber voraus, dass man zumindest ahnt, dass die eigene Wut gerade überzogen oder sogar unangemessen ist. Wer sich also im Berufsverkehr über die anderen vielen Autos aufregt, ahnt irgendwo im Hinterkopf, dass diese Wut nicht besonders sinnvoll ist. Diese Idee muss man dann nur ein bisschen mehr in den Vordergrund seines Denkens holen. Vielleicht so: „Wieso rege ich mich jetzt über den Verkehr so auf. Das ist doch hier nicht wegen mir so voll, sondern jeden Tag. Das hat mit mir nichts zu tun. Ich will mich nicht aufregen.“ Wer so gedanklich eingestimmt ist, kann auch durch singen, pfeifen oder ein kleines Tänzchen innerlich in Frieden kommen. Das funktioniert, weil wir den Gedanken in unserem Kopf Glauben schenken und sie als Orientierung nehmen. Wenn ich also Zweifel an meinem Gefühle streue, kann ich das Gefühl auch abschütteln.

Wer allerdings seinen Zorn für vollkommen angemessen hält, vielleicht, weil er gerade an einer sehr empfindlichen Stelle getroffen wurde, wird diesen Zorn nicht einfach wegschieben können. Die Seite in ihm, die diesen Zorn jetzt gerne abschalten will, hat keine Chance. Egal mit welchem Mittel die dagegen hält. Hier muss man andere Wege gehen.

Hier geht man nicht weg von dem Gefühl, sondern schaut genauer hin. Zum Beispiel, indem man mit jemandem darüber redet, was einen gerade so zornig macht. Vielleicht so: „Ich bin gerade sowas von sauer. Ausgerechnet mir wirft er vor, nicht verantwortlich zu handeln. Das ist so etwas von ungerecht. Wie oft habe ich Verantwortung für das übernommen, was er an Mist gebaut hat. Wie oft habe ich ihn rausgehauen. Und jetzt so etwas. Das empfinde ich als zutiefst unfair.“

Wenn man mit jemandem darüber redet, wird diese Wut gewürdigt. Sie bekommt Beachtung. Und sie wird dadurch auch in ihrer Intensität vermindert. Das geht auch, wenn man mit sich selbst redet, am besten laut.
Diese entlastende Wirkung kann man auch dadurch verstärken, dass man nachspürt, wie sich diese Wut im Körper niederschlägt. Vielleicht merkt man sie im angespannten Kiefer, in den angespannten Schultern oder/und im Nacken, dem Grollen im Bauch, dem rasenden Puls etc. Das Ziel dieser Übung ist nicht, sich zusätzlich aufzupeitschen und noch mehr aufzuregen als vorher, sondern die Wut genau wahrzunehmen, ihr einen Ausdruck zu geben und sie dadurch zu bändigen.
Ich schiebe sie also nicht weg, indem ich mich mit singen, pfeifen oder anderen Aufgaben ablenke, sondern stelle mich ihr, nehme sie wahr und nehme mich in meinem Gefühl ernst.

Wie unterscheidet man, ob man in die eine oder die andere Richtung losgehen sollte? Das muss man durch Übung erfahren. Das macht man, indem man achtsam immer wieder mal auf seine Gefühle schaut, sich Gedanken darüber macht, wo die gerade herkommen und dann mal den einen oder anderen Weg probiert, um aus diesem Gefühl heraus zu kommen.

Aber auch wenn manches negative Gefühl sehr ernst genommen werden sollte, um daraus zu kommen, gilt trotzdem: Traue Deinem Leiden nicht. Mit Leiden meine ich hier negative Gefühle. Man könnte also auch sagen: Traue Deinen negativen Gefühlen nicht. Befrage sie immer, ob sie gerade berechtigt sind und sei sehr sorgfältig damit, ob du ihnen für einen Moment Aufmerksamkeit schenkst oder sie so schnell wie möglich verlässt.

Ich habe darüber auch ein Buch verfasst: „Traue Deinem Leiden nicht“ heißt es nicht und ist hier zu bekommen:

Gute Gefühle sind toll … und kurz

Warum die meisten Menschen ein intensives positives Gefühl nur Bruchteile von Sekunden zulassen.

Es gibt ein einfaches und für jeden verfügbares Mittel für ein gesundes und langes und vor allem gutes Leben: Es sind positive Gefühle. Je mehr man davon lebt, umso besser geht es einem. Körperlich und psychisch. Man fühlt sich besser und erlebt sein Leben als sinnvoll und lebenswert.

Warum nutzen die meisten dieses Potential so wenig? Viele argumentieren mit zu wenig Zeit, zu vielen Aufgaben und schlechten Gewohnheiten. Getragen von der Überzeugung, dass sie frei sind, etwas daran zu ändern. Aus meiner Sicht ist das ein Irrtum. Denn die vielen Aufgaben und Ablenkungen sind nicht der Grund, warum Menschen das Potential von positiven Gefühlen so wenig nutzen. Das liegt vielmehr an der Konstruktion unserer Psyche. Darin gibt es einen Mechanismus, der die positiven Gefühle klein hält. Schon nach wenigen Sekundenbruchteilen wird das gute Erleben unterbrochen oder zumindest deutlich verringert.

Eigentlich soll dieser Mechanismus nur verhindern, dass sehr unangenehme Erfahrungen noch einmal erlebt werden müssen. Dass sich das auch auf positive Gefühle auswirkt, hat mit der Art zu tun, wie negative Erfahrungen im Gedächtnis abgespeichert sind. Diese Speicherung kann man zum Beispiel in meinem Arbeitsfeld, der psychotherapeutischen Traumatherapie, immer wieder gut erkennen. Es zeigt sich darin, dass Menschen, die sich gerade an eine sehr unangenehme Erfahrung erinnern, auch sehr schnell und sehr genau beantworten können, was Ihnen während des belastenden Geschehens gerade am meisten gefehlt hatte.

Schauen wir als Beispiel auf Sarah:

Sahra ist eine 40jährige Frau, die sich in der Therapiesitzung gerade daran erinnert, wie schmerzhaft es für sie als Vierjährige war, wieder einmal nicht die Aufmerksamkeit der Mutter zu bekommen. Sie braucht nur wenige Augenblicke in der unangenehmen Erinnerung zu verweilen, um dann genau zu benennen, was sie damals gebraucht hätte. Bei ihr war es die ungeteilte, zugewandte und interessierte Aufmerksamkeit ihrer Mutter für das, was sie als Kind gerade erlitt. Sarah hatte sich schon als Kind gewünscht, dass die Mutter von allein gemerkt hätte, dass etwas nicht stimmt und mal angehalten und bezogen und freundlich gefragt hätte, was ihr gerade fehlt. Dass sie ihr zugehört, vielleicht das eine oder andere noch nachgefragt und sich dann um eine Lösung bemüht hätte. Die Mutter war dazu leider fast nie in der Lage. Sie konnte das einfach nicht.

Auch viele Jahre später sehnt sich Sarah noch nach so einer ungeteilten Aufmerksamkeit, die ihr jemand schenkt. Ihre Freundin Melanie kann das. Vielleicht ist Melanie auch deshalb zur Freundin von Sarah geworden.

Sarah genießt das Zusammensein mit Melanie, aber ohne es zu merken, lässt sie die positive Intensität der Begegnungen mit Melanie nicht zu. In Prozenten ausgedrückt sind es vielleicht maximal 30 % dessen, was ihr an Intensität möglich wäre. Auch die Zeit in der das Gefühl zugelassen wird, ist beschränkt.

Positives und Negatives sind im Gedächtnis zusammen abgespeichert

Das liegt daran, dass in unserer Psyche die ersehnten guten Erfahrungen zusammen mit dem damals erlebten Mangel abgespeichert sind. Dann, wenn Sarah gerade anfängt, die Aufmerksamkeit von Melanie zu genießen, werden -unbemerkt- auch die Erinnerungen an das alte Leid berührt. Deshalb fährt das Sicherungssystem hoch, um zu verhindern, dass sich das alte Leid wiederholt. Das macht es ganz subtil und in der Regel vollkommen unbemerkt. So als würde es damit ausdrücken: „Ich halte dich jetzt besser davon ab, dich allzu sehr auf das gute Gefühl einzulassen. Weil ich befürchte, dass es gleich genauso wie damals ablaufen wird. Dann erlebst du wieder die große Enttäuschung und dieses schreckliche Gefühl, dass du es nicht wert bist, das zu bekommen, was du so dringend brauchst.“

Für Sarah bedeutet dieser unbewusste Sicherungsmechanismus, dass sie das heilende Potenzial der Begegnungen mit Melanie nicht ausschöpfen kann. Das bedeutet auch, dass ihre seit der Kindheit begonnene Suche nach einer „guten Mutter“ nie ans Ziel findet.

Würde es dieses Sicherungssystem nicht geben, bräuchte kaum ein Mensch noch Psychotherapie! Aber jeder hat so ein Sicherungssystem und es ist umso stärker, je mehr belastende Erfahrungen man in seiner Kindheit machen musste.

So ein Sicherungssystem hat jeder und fatalerweise hält es uns Menschen genau von den positiven Erfahrungen ab, die wir seit unserer Kindheit am meisten vermissen.

Weil jeder andere Erfahrungen gemacht hat, zeigt es sich bei jedem ein bisschen anders. Wer danach sucht, kann es leicht erkennen. Denn es arbeitet mit ganz einfachen Mitteln. So einfach, dass man es schon nicht mehr für einen Trick oder eine Strategie hält, sondern als angemessen und stimmig akzeptiert. Wenn einer die vielen Pflichten als Ausrede vorschiebt, um sich nicht auf einen schönen Moment einzulassen, dann arbeitet hier bereits dieses Schutzsystem. Der ablenkende Gedanke an die anderen „so wichtigen Aufgaben“ reicht oft schon aus. Und wenn man dem nicht nachgibt, findet die Psyche noch andere „Argumente“.

Ich habe über dieses Thema kürzlich ein Buch veröffentlicht. Darin zeige ich, was bei dem unbewussten Boykott der guten Gefühle im Hinterkopf passiert und wie man diese Blockaden überwinden kann. Mit diesem Wissen ist es endlich möglich, gute Gefühle in unbeschränkter Weise in das eigene Leben zu bringen. Für manchen ist das auch die Chance auf Heilung, ohne dazu eine Psychotherapie zu brauchen. Mehr als 40 Übungen unterstützen den Leser auf seinem Weg zu mehr und mehr guten Gefühlen.  

Reinhardt Krätzig, Januar 2022, 160 Seiten,
Preise – Druck: € 14,50, E-Book:€ 7,99
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